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Zu Unrecht als baufällig bezeichnet

Das Möhringer Spitaltor neben der Kelter ( links) galt schon im frühen 20. Jahrhundert als besonders malerisch.

Das Schwäbische Bilderblatt schrieb am 22. Dezember 1911 zu diesem Bild: „Das Spitaltor in Möhringen a. F., ein Bauwerk alter Zeit, geht rasch seinem Verfall entgegen und wird nicht allzu viele Jahre mehr erhalten werden können.“ Da hat sich der Schreiber glücklicherweise geirrt.

Die wesentlichen Bauten des Esslinger Spitalhofes in dem Filderort, Wohnhaus und Zehntscheuer, entstanden gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Der zwischen Kelter (links) und Nebenscheuer (rechts) gelegene Torbau kam – ausweislich einer Inschrift zur Straßenseite hin – erst ein Jahrhundert später, genauer gesagt 1589, hinzu. Bei einem Erdbeben im November 1911 wurde die kleine Scheune so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden musste. Das vermeintlich so marode Tor blieb jedoch unversehrt stehen. An Stelle der Scheuer errichtete man 1912 das Wohnhaus, das noch heute vorhanden ist und zusammen mit dem Torgebäude unter Denkmalschutz steht.

Das große Wohnhaus im Spitalhof, seit 1928 im Besitz der Gemeinde, wurde 1944 durch Bomben schwer beschädigt, die Reste 1959 abgebrochen. Im Jahre 1962 wurde ein Neubau mit alt anmutender Fassade eröffnet; er beherbergt heute das Heimatmuseum, die Außenstelle der Stadtbücherei und weitere kulturelle Einrichtungen.

Die Aufnahme stammt von dem Hohenheimer Fotografen Hans Schinzinger und erschien wie das Eingangszitat erstmals am 22. Dezember 1911 im Schwäbischen Bilderblatt.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom  28.2.2012, U.Gohl

Sauerkraut unter dem Wasserspeier

Margarete Maier, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Heimatmuseum, erzählt von einer alten Legende.

Der Überlieferung nach, überlebte im Spätmittelalter ein Kind einen schweren Unfall mit einem Pferdefuhrwerk, nachdem es in der Heilbrunnenquelle gewaschen worden war. Weil offensichtlich Maria ihre Hände im Spiel hatte, wurde 1495 neben der Quelle eine Marienkapelle errichtet. Nach der Reformation ist die auch Frauenkirche genannte Kapelle zerfallen. Der mit Steinen eingefasste Heilbrunnen neben einer alten Linde blieb aber erhalten. Später soll dort der Ortsgeschichte zufolge ein Badhaus gestanden haben. 1899 errichtete der Schneidermeister Friedrich Wagner an der gleichen Stelle eine Wirtschaft und baute Wannenbäder ein. Im Jahr 1927 wurde auf der Fläche das Freibad angelegt. Die Erinnerung an die Heilbrunnenquelle war da längst verblasst. Bis vor 20 Jahren zufällig der alte Wasserspeier bei einem Landwirt entdeckt wurde. Er hatte den etwa fünf Kilogramm schweren Stein zweckentfremdet, er diente ihm als Gewicht auf einem Sauerkrautfass. Schließlich ist der Wasserspeier im Heimatmuseum gelandet. Ein an der Marienkapelle eingelassener Apostelkopf ziert heute die Mauer beim Bürgertreff.

Der Wasserspeier der Heilbrunnenquelle steht heute im Heimatmuseum.

 Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 10.08.2011, Gabi Ridder


Ein schwerer Busunfall beim Landhaus

Der Postbus Waldenbuch-Degerloch stürzte nach einem Zusammenstoß mit der Filderbahn um.

Das Stuttgarter Neue Tagblatt berichtete unter der Überschrift „Filderbahn und Postautomobil“ am 28. Juni 1910 über einen folgenschweren Verkehrsunfall auf den Fildern.

„Bei dem Unfall, der sich gestern früh an der Straßenkreuzung am Landhaus ereignete, wo das Postautomobil (der Überlandbus) von Waldenbuch mit einem Zug der Filderbahn zusammengestoßen ist, scheint die Schuldfrage noch nicht geklärt zu sein. Einerseits wird behauptet, die Schuld liege bei der Filderbahn, und nur der Geistesgegenwart des Chauffeurs sei es zuzuschreiben, daß das Unglück nicht noch größeren Umfang erreichte. Andererseits ist aber eine Darstellung ganz glaubhaft, nach der das Gelände an der Unfallstelle wegen eines hohen Einschnittes durchaus unübersichtlich ist. Chauffeur und Wagenführer haben sich wohl gegenseitig zu spät bemerkt; beide wollten durch rasches Fahren, um ein Unglück zu vermeiden, noch aneinander vorbeikommen, und durch dieses Bestreben ist wohl der Zusammenstoß erfolgt.

Die Verletzten, die im Marienhospital Aufnahme fanden, zwei Frauen und ein Kind, befinden sich glücklicherweise ordentlich. Das Kind konnte bereits wieder entlassen werden, die beiden Frauen, die Schürfungen und Quetschungen erlitten haben, kommen in einigen Tagen zur Entlassung.“

Die Aufnahme stammt von dem Stuttgarter Fotografen Joseph K. Aberle und erschien erstmals am 8. Juli 1910 im Schwäbischen Bilderblatt.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 14.2.2012, U.Gohl

Ein Väschen in Ehren

1893 gründete Berthold Probst die Schamotte- und Tonwarenfabrik nördlich der Vaihinger Straße. Der Betrieb wurde 1934 stillgelegt und in der Lehmgrube das Grundwasser nicht mehr abgepumpt. Die Grube füllte sich nach und nach und der jetzige Probstsee entstand.

Im Heimatmuseum Möhringen sind aus der Probstschen Produktion noch einige hübsche Keramikartikel zu besichtigen. Zu einem der Stücke, eine kleine Vase, weiß Fr. Maier - ehrenamtliche Mitarbeiterin des Heimatmuseums - eine besondere Geschichte zu erzählen. 

Fabrikant Probst produzierte keine Massenware, sondern nur nach Auftrag. Darum erstellte er je Auftrag drei Entwürfe und der Auftraggeber suchte sich einen davon aus. Schadhafte Stücke wurden nicht etwa weggeworfen, sondern nach Entfernen des Probst'schen Siegels aufgehoben und eventuell verschenkt. So kam auch ein junges Fräulein aus Möhringen, das immer frische Brötchen in die Probst'sche Villa lieferte, zu der abgebildeten Vase. Die inzwischen hochbetagte Dame stellt diese als Leihgabe im Heimatmuseum aus.



Adresse
Heimatmuseum Möhringen
Filderbahnstr. 29
3. Stock
70567 Stuttgart Möhringen 

Kontakt
Web:
www.ilm-ev.de
Email:
info@ilm-ev.de
Telefon:
+49 711 711 119

Öffnungszeiten

Samstag 10-12Uhr
bei Sonderaustellungen auch Sonntag 14-16Uhr


Sonderführungen für Gruppen nach Terminvereinbarung


Impressum

Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg e. V. (ILM)


Obere Brandstr. 35

70567 Stuttgart 

+49 7 11 719 4261