Im Frühjahr 2007 fand Theodor Honig vom Heimatmuseum Möhringen im Keller des Spitalhofs unter dem Treppenaufgang einen meterhohen Haufen altes Eisen, welches sich bei genauer Betrachtung als die zerlegte Turmuhr unserer Martinskirche entpuppte, welche bis ins Jahr 1926 auf dem Kirchturm ihren Dienst versah.
Nach Rücksprache mit Pfarrer Lieb und dem Kulturamt der Stadt Stuttgart machten sich Bernd Schlienz, Wolfgang Gessler, Helmut Fischer, Theodor Honig sowie Margarete und Gerhard Maier an die große Aufgabe, aus dem Wirrwarr wieder eine Turmuhr zu machen. Erschwerend kam hinzu, dass weder Fotos noch Zeichnungen von der Uhr vorhanden waren. Nach einem halben Jahr Tüftlerarbeit gelang es unter fachmännischer Begleitung von Herrn Kuban vom Cannstatter Turmuhrenarchiv, das alte Meisterwerk zu rekonstruieren.
Die Uhr ist 2 Meter lang, 1,5 Meter hoch und 1 Meter tief und wiegt ca. 1 Tonne. Sie besitzt insgesamt 4 durch Gewichte angetriebene Laufwerke. Das Haupt- bzw. Gehwerk arbeitete ununterbrochen und trieb die Zeiger an, die sich ein Stockwerk über der Uhr befanden. Zu jeder vollendeten Viertelstunde gibt das Hauptwerk das links daneben angebrachte Viertelstunden-Läutwerk frei, welches den Viertelstundenschlag auslöst. Nachdem dieses Werk durch viermaliges Läuten die volle Stunde angezeigt hat, löst sie das ganz links angebrachte Stundenläutwerk aus, welches wiederum über eine lange Traverse das Läutwerk zum zweiten Stundenschlag ganz rechts anstößt. An den 3 Schlagwerken sind eiserne Räder angebracht, welche, in größer werdenden Abständen, der Uhr sagen wie oft sie zu der jeweiligen Stunde schlagen müssen. Die Glockenschläge werden ebenfalls über Seilzüge, welche bis in den Glockenturm führten, ausgelöst. Die Uhr verfügt über Regulator und Ankerhemmung.
Ihr genaues Entstehungsjahr konnte noch nicht ermittelt werden. Zeichen an verschiedenen Bauteilen und die Inschrift des Ziffernblatts der Kontrolluhr lassen auf eine Entstehungszeit Ende des 18. Jahrhunderts (1780 – 1790) schließen. An einem Ausgleichsgewicht hat sich der Uhrmachermeister durch sein Zunftzeichen verewigt. Dieses weist ein Eulengesicht, das Tübinger Wappen und eine Geweihstange aus dem Württembergischen Wappen auf.
Die Uhr steht als Schaustück im Turm der Martinskirche. Schließlich besitzt die Uhr einen hohen ideellen Wert für Möhringen, hat sie doch vielen Generationen von Möhringern von der Wiege bis zum Grabe die Stunden geschlagen.

Kategorien: Raritäten

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