Friedrich Bretz, Vorstand der ILM e.V. über die Projektgruppe Heimatmuseum

Öffnungszeiten

während der Sonderaustellung:
Sonntags 14-16Uhr

Über Weihnachten:
So 23. Dez. 2018 – geschlossen
So 30. Dez. 2018 – geöffnet
So 6. Jan. 2018 – geöffnet

Sonderführungen für Gruppen nach Terminvereinbarung

Adresse

Heimatmuseum Möhringen
Filderbahnstr. 29 – 3. Stock
70567 Stuttgart-Möhringen

Anfahrt

Stadtmuseum Stuttgart

Das Heimatmuseum Möhringen ist Teil des
Stadtmuseums Stuttgart.

 

ILM e.V.

Lesen Sie mehr über die Arbeit der Projektgruppe Heimatmuseum auf den Seiten der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg e. V. (ILM)


Martinskirche – Filderdom

Die von Christian F. Leins erbaute, neugotische Martinskirche, der „Filderdom“. Das Bauwerk war mit seinem 63 Meter hohen Turm die weitaus größte Kirche auf den Fildern. Der Stuttgarter Architekt und Baumeister Christian Friedrich von Leins (1814 bis 1892) schuf neben vielen anderen Bauwerken auch den Königsbau, die Villa Berg und die Johanneskirche. Die Geschichte der Martinskirche Von dem Aussehen der Möhringer Martinskirche können wir uns erst seit den Neu- und Umbauarbeiten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Bild machen. An einen älteren, romanischen Vorgängerbau erinnern lediglich noch die beiden Säulen, die heute die Innenseite des Spitalhoftores zieren. In der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Kirche so baufällig geworden, dass eine Erneuerung erforderlich wurde. Nachdem 1459 sogar der Kirchturm einstürzte, wurde mit dem Baumeister der Esslinger Frauenkirche, Hans Böblinger, ein Vertrag zu dessen Neubau geschlossen. Die vermutliche Fertigstellung zeigt ein Schlussstein des unteren Turmgewölbes, der die Zahl 1466 trägt. Zwei Jahre danach erhielt der Turm eine neue Glocke, auch das spätgotische Netzgewölbe im Chor stammt aus dieser Zeit. Die beiden Epitaphe befanden sich zu dieser Zeit noch unten am Turm, erst Christian F. Leins hat sie Ende des 19. Jahrhunderts in die Südwand des Chors eingebaut. Ende des 16. Jahrhunderts wurden im Innenraum der Kirche wichtige Verbesserungen vorgenommen. Die Jahreszahl 1595 über der Tür zur Sakristei erinnert an das Jahr, in dem der neue Taufstein eingeweiht und vermutlich auch die Orgel auf der Empore errichtet wurde. In jene Zeit fiel auch der Bau der Empore auf der die Männer dem Gottesdienst beiwohnten während Frauen und Kinder unten Platz nahmen. Die alte Möhringer Kirche wurde im Lauf des 19. Jahrhunderts für die langsam aber stetig anwachsende Kirchengemeinde zu klein. Neubaupläne kamen auf, die durch die Baufälligkeit des Turmes angeregt wurden. Trotz erheblicher Probleme bei der Finanzierung wurde 1852/53 der Kirchturm erneuert. Eine neugotische Steinspitze mit gusseiserner Pyramide und Laterne trat an die Stelle der oberen Fachwerkkonstruktion des alten Turms mit dem Satteldach. Auch das große Westportal mit dem darüber liegenden Fenster wurde erst jetzt erschaffen. Dem Bau des neugotischen Kirchenschiffs 1853 bis 1855 mit seinen hohen Emporen und Gewölben lagen dann Pläne des bekannten Baumeisters Christian Leins zugrunde. Beim Abbruch der alten Kirche im Jahr 1853 wurde die Renaissancekanzel aus der Zeit 1595 stammend, abgebaut und beiseite gestellt. Nach einer Bauzeit von nur 19 Monaten konnte das im Volksmund Filderdom genannte Gotteshaus am 11. November 1855 – dem Namenstag des Kirchenheiligen Sankt Martin – seiner Bestimmung übergeben werden. Trotz aller äußerer Pracht traten schon nach kurzer Zeit bauliche Mängel offen zutage. Die Kosten für den laufenden Unterhalt wurden ein kaum zu lösendes Problem für die Gemeinde. Sämtliche Versuche, den Zerfall der Kirche aufzuhalten blieben Flickwerk so, dass das gesamte Gebäude bereits 1935 generalüberholt werden musste. Am 20. Oktober 1935 konnte die neuerliche Einweihung stattfinden. Neun Jahre nach Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Martinskirche wurde das Gebäude in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1944 durch einen Luftangriff der Alliierten praktisch vollständig zerstört. Bereits 4 Jahre später konnte nach der Währungsreform im Juni 1948 mit dem Wiederaufbau begonnen werden, wobei sich die Verbundenheit der Möhringer mit ihrer Kirche in einer fast „undenkbaren eigeninitiativen Tätigkeit“ äußerte. Am 16. Oktober 1949 wurde das wiederhergestellte Gotteshaus geweiht. Infolge der Wirtschaftslage der Zeit konnte die Kirche nur vereinfacht restauriert werden. Äußerlich machte sich das an der vereinfachten Turmspitze bemerkbar, im Inneren musste vor allem auf die hochgemauerten, alten Gewölbe verzichtet werden. Eine eingezogene Holzdecke trennt seither die zweite Empore vom heutigen Kirchenraum ab. Ende des 20. Jahrhunderts waren Schäden an der Außenfassade sowie an den Dächern der Kirche kaum mehr zu übersehen. Nachdem die laufenden Unterhaltskosten für notwendige Sanierungsarbeiten stark angestiegen waren hat die Gesamtkirchengemeinde Möhringen Ende 2000 eine Außensanierung der Kirche beschlossen. Bereits Ende 2002 konnten in einem 1. Bauabschnitt die Arbeiten am Chor der Kirche abgeschlossen werden. 2004 folgten die Arbeiten am Turm. Dank der großen Spendenbereitschaft der Möhringer Bürger konnten auf den Giebeln der 4 Schallläden Kreuzblumen errichtet werden, die an das Erscheinungsbild des „Filderdoms“ vor dem Krieg erinnern.