Friedrich Bretz, Vorstand der ILM e.V. über die Projektgruppe Heimatmuseum

Öffnungszeiten

während der Sonderaustellung:
Sonntags 14-16Uhr

Über Weihnachten:
So 23. Dez. 2018 – geschlossen
So 30. Dez. 2018 – geöffnet
So 6. Jan. 2018 – geöffnet

Sonderführungen für Gruppen nach Terminvereinbarung

Adresse

Heimatmuseum Möhringen
Filderbahnstr. 29 – 3. Stock
70567 Stuttgart-Möhringen

Anfahrt

Stadtmuseum Stuttgart

Das Heimatmuseum Möhringen ist Teil des
Stadtmuseums Stuttgart.

 

ILM e.V.

Lesen Sie mehr über die Arbeit der Projektgruppe Heimatmuseum auf den Seiten der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg e. V. (ILM)


Kunstkeramische Werkstätten Probst & Kluge

Der Probstsee in Möhringen war die frühere Lehmgrube der Ziegelei Probst. Die ehemalige Villa Probst existiert noch und ist heute ein Seniorenheim. Auf dem Grundstück der Ziegelei gründete später Gottlob Auwärter die Firma Neoplan Omnibusse.

Das Keramik-Geschäft blüht nur wenige Jahre
Die Industrialisierung kam in Möhringen nur zögerlich in Schwung. Die 1844 von Karl Widmaier gegründete Brauerei wuchs zwar zu einem Großbetrieb heran, wurde aber schon 1912 an die Stuttgarter Brauerei Wulle verkauft und stillgelegt. Die 1854 entstandene Wagnerei Auwärter nahm 1899 die erste Dampfmaschine des Filderortes in Betrieb. Das Hauptprodukt des Betriebes, die so genannten Windfegen, zimmerten die Arbeiter jedoch noch weitgehend handwerklich zusammen – die auch Putzmühlen genannten Windfegen halfen den Bauern bei der Trennung von Spreu und Weizen. Nur kurz bestand hier gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Zigarrenfabrik.

Ab 1868 schufteten die Arbeiter in der Gemeindeziegelei, die der Degerlocher Fabrikant Karl Kühner 1889 übernahm und zur Dampfziegelei ausbaute. Er gab den Betrieb 1918 auf, die Gemeinde kaufte ihn zurück und ließ ihn von Geschäftsführern bis zur Mitte der 30er-Jahre weiterbetreiben. Eine ähnliche Lebensdauer hatte eine zweite Ziegelei in Möhringen, die von Berthold Probst. Der kaufte 1893 eine kleine, am Ortsrand Richtung Vaihingen gelegene Tongrube und baute sie zu einem umfangreichen Unternehmen aus. Es produzierte massenhaft Baustoffe wie Backsteine, Ziegel und Schamottesteine für Öfen und Kamine. Die aufstrebende Residenzstadt Stuttgart gierte geradezu nach derartigen Materialien zum Bau der zahlreichen Stadterweiterungen des späten 19. Jahrhunderts.

Im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg brach die Bauwirtschaft zusammen. Probst tat sich deshalb 1919 mit dem Kunstgewerbelehrer für Keramik, Max Kluge, zusammen und gründete die „Kunstkeramischen Werkstätten Probst & Kluge“. Ein Text aus dem Möhringer Heimatmuseum verrät die Produktpalette: „große und kleine Tierfiguren, Krüge, Kannen, Vasen, Wandteller und Wandornamente, Keramikbrunnen mit Brunnenknaben und Pelikan, Kleinkeramik für Puppenstuben“. Doch nur wenige Jahre blühte das Geschäft; Kluge verließ 1924 das Unternehmen, Probst starb 1925. Seine Familie führte den Betrieb weiter, doch die Wirtschaftskrise der frühen 30er-Jahre traf auch diese Firma. Sie musste 1934 stillgelegt werden.

In der Fabrikantenvilla befindet sich heute ein kleines Altersheim. Die ehemalige Lehmgrube füllte sich mit Regen- und Grundwasser, nach und nach bildete sich ein richtiger See, der allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg zur Schaffung von Gartenland verkleinert wurde. Die Baulichkeiten kaufte Gottlob Auwärter jr., der dort zunächst Karosserien, später ganze Omnibusse bauten ließ.

 Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 30.10.2012, U. Gohl