Friedrich Bretz, Vorstand der ILM e.V. über die Projektgruppe Heimatmuseum

Öffnungszeiten

während der Sonderaustellung:
Sonntags 14-16Uhr

Über Weihnachten:
So 23. Dez. 2018 – geschlossen
So 30. Dez. 2018 – geöffnet
So 6. Jan. 2018 – geöffnet

Sonderführungen für Gruppen nach Terminvereinbarung

Adresse

Heimatmuseum Möhringen
Filderbahnstr. 29 – 3. Stock
70567 Stuttgart-Möhringen

Anfahrt

Stadtmuseum Stuttgart

Das Heimatmuseum Möhringen ist Teil des
Stadtmuseums Stuttgart.

 

ILM e.V.

Lesen Sie mehr über die Arbeit der Projektgruppe Heimatmuseum auf den Seiten der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg e. V. (ILM)


Möhringer Badstube

Die Farbe ist hartnäckig. Auch zwei Tage nachdem Katrin Schöning mit ihrem Mann die Wände in einem Zimmer im Obergeschoss gestrichen hat, zeichnen sich in ihren Handflächen zarte, weiße Spuren ab. „Wir haben mit Kalk gestrichen“, erzählt sie. Die Farbe hat das Paar selbst angerührt – mit Quark, Ei, Wasser, Leinöl und Kalk. „Bei herkömmlicher Farbe könnte die Feuchtigkeit nicht mehr nach außen dringen“, sagt die Denkmalpflegerin und Bauforscherin, die derzeit an ihrer Doktorarbeit schreibt.

Der denkmalgeschützte Bau an der Pezoldstraße 1 ist die einstige Möhringer Badstube. In schnörkeliger Aufschrift ist die Jahreszahl 1426 auf die Fassade gemalt. „Damals – so habe ich es im Archiv in Esslingen gelesen – hat Eberlin Bader seine Tochter an Esslingen übergeben“, sagt sie. Das Haus hat Schöning mit ihrem Mann, einem Wirtschaftsingenieur, vor zweieinhalb Jahren gekauft. Seitdem planen, werkeln, entdecken und untersuchen sie, seit einem dreiviertel Jahr bewohnen sie ein paar Räume im Erdgeschoss. „Wir versuchen zu erhalten, was zu erhalten ist“, erklärt Schöning ihr Sanierungskonzept. „Und das, was Schäden anrichten könnte, wird entfernt.“ Im künftigen Wohnzimmer hat Schöning mit einer befreundeten Restauratorin eine Renaissancemalerei entdeckt. Im Obergeschoss kamen Begleitstriche zum Vorschein und eine Holzrestauratorin legte alte Holzdielen frei.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein war das Badehaus der Treffpunkt der Möhringer. Regelmäßig kamen sie dort zur Körperpflege zusammen. Die Öffentlichkeit soll nun am Sonntag, 9. September, beim Tag des offenen Denkmals zum Thema „Holz“ wieder einen Einblick in die alten Gemäuer bekommen. Dann öffnet das Ehepaar von 11 bis 13Uhr und von 14 bis 18Uhr die Tür zu ihrem Eigenheim. Um 11 Uhr und um 14 Uhr bietet Schöning Führungen an.

„Obwohl man vom düsteren Mittelalter spricht und es heißt, die Menschen wären nicht so reinlich gewesen, so legten sie mit Badstuben schon Wert auf Hygiene“, sagt Schöning. Spuren der Einrichtung gibt es noch vor allem im Untergeschoss, das vermutlich im Mittelalter das Erdgeschoss gewesen ist, und im heutigen Erdgeschoss.

„Ich vermute, dass dort der Eingang war“, sagt Schöning und fährt mit einer Taschenlampe die Umrisse eines Türrahmens im Mauerwerk im Keller nach. In einem Vorraum, so vermutet die Denkmalpflegerin, könnten sich die Möhringer gesäubert und Dreck von der Straße abgeklopft haben, ehe es in die Badstube ging. „Acht Brunnen soll es hier unten im Keller angeblich geben“, sagt Schöning. „Wir haben bisher aber nicht alle gefunden.“

In einem weiteren Raum lassen sich Reste eines Badeofens und möglicherweise einer Heizkammer erkennen. Im Erdgeschoss waren Ruhe- und Behandlungsräume, oben hat der Bader, der Betreiber des Badehauses, gewohnt. Er hat laut Schöning auch kleinere medizinische Eingriffe übernommen, hat Zähne behandelt, schnitt Haare oder stutzte Bärte. Warum sie gerade die Badstube gekauft haben? „Es war eigentlich zunächst eher ein Witz“, sagt sie. „Wir haben eigentlich gar nichts gesucht.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 7. September 2012, Stefanie Käfferlein, Originaltitel „Erhalten, was zu erhalten ist“